Deutschland ist zurück, wie eine Pop-Tsunami

Ich wollt mal wieder auf eine Veranstaltung hinweisen, die in der nächsten Zeit stattfindet.
Da man sich auch mal einen halbjährlichen Billigurlaub gönnen möcht, werd ich wohl nicht da sein und hoffe deshalb innigst, dass die Sache aufgezeichnet wird, schon allein weil ich gespannt bin, wieso Kultur als Nationalismus-stiftendes ideologisches Element auf einmal wiederentdeckt werden sollte, sprich: War sie denn als solches je weg?
Ich würde da ja viel mehr sagen, dass Kultur das grundlegendste Fundament für Nationalismus war, ist und wohl auch bleiben wird, summiert sich unter dieser ja nicht nur was als Kunst verstanden wird, sondern eben auch alle anderen Verlaufsformen des Handelns. Indem schlicht festgelegt wird, welche dieser Verlaufsformen so typisch für das jeweilige Staatsvölkchen ist, stiftet man diesem seinen Bezugspunkt, den Nationalismus. So versprech ich mir von der Veranstaltung inhaltlich erstmal nicht viel mehr als die Feststellung, dass diese ganzen Elemente, die zur Nationalkultur zusammenkommen, weiter gefasst werden, als das eben noch vor einigen Jahren der Fall war als Reggae als Karibik-Musik und HipHop als Amimusik abgetan wurden, die erst durch neue Nationalhelden, wie Fler und seine Pop-Tsunami, nun ihren Durchbruch als durchaus auch deutsches Kulturgut feiern dürfen. Der vermeintlich Deutschland-kritische Gedanke hinter diesem „fremde Musik hören“ und „kontroverse Kunst machen“ wird wohl der schlichten Erkenntnis weichen müssen, dass sich ein antinationaler Gedanke nur in einer inhaltlich zu Staat, Nation und Kapital antagonistischen Kultur wird äußern können und nicht in einer als vermeintlich undeutsch geltenden Geste.


28 Antworten auf “Deutschland ist zurück, wie eine Pop-Tsunami”


  1. 1 deadrat 12. Februar 2009 um 19:24 Uhr

    Meines Erachtens reicht es für eine grundlegende Gesellschaftskritik schon aus, dass zu wissen, dass Kultur dem Nationalgedanken dient. Das ist nur für jene neu und offending, die in der Kultur subversives Potenzial zur Änderung gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse im kommunistischen Sinne gesehen haben. Liebe Partyantifas: Kommunismus kommt durch die Änderung der Produktionsbedingungen und nicht durch ein Teilschmeißen auf ner Technoparty, auch wenn das schön sein mag.

    Ich denke die TOP verliert sich da in Binsenweisheiten. Es geht immer noch darum, den Leuten zu verdeutlichen, warum warum mit Hilfe der Freiheit und Gleichheit in einer kapitalistischen Gesellschaft kein gutes Leben für alle rauskommt, auch wenn alle diese Sachen für was irre gutes halten. Ihr könnts doch.

  2. 2 deadrat 12. Februar 2009 um 19:26 Uhr

    Sonst d‘accord mit dir, aber: „Der vermeintlich Deutschland-kritische Gedanke hinter diesem “fremde Musik hören” und “kontroverse Kunst machen” wird wohl der schlichten Erkenntnis weichen müssen, dass sich ein antinationaler Gedanke nur in einer inhaltlich zu Staat, Nation und Kapital antagonistischen Kultur“

    Kultur? Haste das da mit dem anderen Kwort, Kritik verwechselt? Für bitte nochmal weiter aus.

  3. 3 Oompa Loompa 12. Februar 2009 um 19:38 Uhr

    nee, das hab ich schon so gemeint. denke durchaus, dass auch über kunst inhalte vermittelt werden können. etwa durch einen inhaltlich richtigen liedtext. solange halt in der kunst die kritik mit rumkommt, ist an den schöngeisteleien doch nichts verwerfliches.

    und pepp mal deinen neuen blog auf.

  4. 4 a|d 12. Februar 2009 um 20:18 Uhr

    musik und poltik sollten zwei getrennte felder sein imho.
    ein besuch der „richtigen“ party kann kein politischer akt für oder gegen etwas sein, denn tanzen ändert nichts an den bestehenden verhältnissen, höchstens ist auf subkulturellen parties das publikum anders zusammengesetzt.

    auf der anderen seite ist viel der sogenannt politischen musik schlichtweg audio-müll(z.b. crust/antifa-“hip hop“/egotronic).
    bei dieser art von musik stimmt meist weder form noch inhalt.
    gut gemeint ist halt nicht immer gut.

    bei musik zählt für mich eher die emotionale komponente, als die inhaltliche. es gibt natürlich auch auf intellektueller ebene treffende songs, die liegen aber ausserhalb von jeder „revo-feierei“-schiene.

  5. 5 Oompa Loompa 12. Februar 2009 um 20:24 Uhr

    mir fällt übrigens grad ein, dass ich auch mal auf das neueste lied der deutschen britney spears hinweisen wollt: http://www.youtube.com/watch?v=o1Cw7Jlhi0M

    …ja selbst die superstars werden noch eingedeutscht

  6. 6 deadrat 12. Februar 2009 um 20:39 Uhr

    Die Kunst ist nicht dazu da, kommunistische Inhalte zu vermitteln, sie stellt allenfalls ein Mittel zur Reflektion der gesellschaftlichen Verhältnisse da, aus denen sich eine kommunistische Kritik ergeben kann.
    Ich lehne dieses Hedonismus=Kommunismus Konzept ab, und auch ein Musikstück taugt allenfalls zum teasen, nicht aber zum argumentieren.
    ad is right.

    Mein neuer Blog? Ähem…

  7. 7 repulsion 12. Februar 2009 um 23:41 Uhr

    ich hab das noch mal kurz ausgeführt:
    http://repulsion.tumblr.com/post/77839972

  8. 8 im*moment*vorbei 13. Februar 2009 um 0:10 Uhr

    hey ratte!
    dieses ganze zeug von wegen „Hedonismus=Kommunismus“ oder „Kommunismus kommt durch die Änderung der Produktionsbedingungen und nicht durch ein Teilschmeißen auf ner Technoparty“ – wer vertritt das eigentlich bzw. wen kritisierst du hier, außer dein alter ego von vor einem jahr?
    ach ja: http://www.fastforwardhannover.net/texts/view/4

  9. 9 IdrawESCAPEplans 13. Februar 2009 um 15:45 Uhr

    ich finde deinen kulturbegriff grütze

  10. 10 Oompa Loompa 13. Februar 2009 um 16:10 Uhr

    idep: warum?

  11. 11 IdrawESCAPEplans 13. Februar 2009 um 17:45 Uhr

    dein Begriff scheint sehr starr zu sein, da kultur offenbar identisch gemacht wird mit nationalkultur.

  12. 12 deadrat 13. Februar 2009 um 20:21 Uhr

    @Prepulsion: Dito, auch wenn an sich nix gegen Nashibirnen einzuwenden ist.
    @i*m*v: Oh, kenn da noch so einige, keine Sorge, du warst nicht gemeint. Das Ding ist: Irgendwie scheint es der TOP aufzustoßen, dass die gute Kultur besonders seit 06 instrumetalisiert wird für nationale Zwecke und das irgendwie kritikwürdig sei. Meine Thesen dagegen: Ein Staat will mit Mitteln der Kultur die Idee der Nation (re)produzieren, dass ist seine Aufgabe. Des weiteren lässt sich die Kultur für alle möglichen Zwecke instrumentalisieren, so what. Kann da jetzt nichts neues dran entdecken, dass Deutschland das auch macht. Besonders kritikwürdig ist es dahingehend nicht, dass ein vernünftig geführter Staat auch nciht auf dieses Mittel verzichten will.

  13. 13 repulsion 13. Februar 2009 um 22:20 Uhr

    @deadrat:
    ich hasse diese dinger. kein aroma, seltsame konsistenz, insgesamt verwirrend.

  14. 14 Oompa Loompa 14. Februar 2009 um 4:28 Uhr

    idep:
    der kulturbegriff mag durchaus recht statisch sein, wenn ich unter kultur die summe der verlaufsformen sozialen handelns verstehe. der begriff der nationalkultur jedoch ist recht wandelbar. können doch diese formen sozialen handelns, die typisch für das jeweilige völkchen sein sollen, immerwieder neu definiert werden. je nach ermessen, wie dienlich es dem erfolg der nation ist, wird der begriff der nationalkultur mal enger, mal weiter gefasst. momentan tut sich beispielsweise der deutsche nationalismus besser, wenn der begriff der nationalkultur weit gefasst wird und so sozial schwache und ethnische gruppen besser integriert werden können. anderenorts, wie israel, meint man halt gerade den begriff der nationalkultur enger fassen zu müssen, was sich besonders in der klaren abgrenzung jüdischer israelis gegen die arabischen israelis ausdrückt, bei der den arabern mehr oder minder klar gemacht wird, dass, wenn es dann einen palästinensischen staat gibt, die ihr staatsbürger-glück da dann suchen soll(t)en. das dann eben vor dem hintergrund, dass die meinen, dass die arabische kultur nicht so recht in die israelische nationalkultur passt, sprich mit der jüdischen kultur nicht vereinbar wär.

  15. 15 im*moment*vorbei 14. Februar 2009 um 21:39 Uhr

    @ratte:
    ich kenne da eigentlich keine_n, aber das ist wohl auch besser so…
    zu dem rest – selbst wenn man festsetellt, das es nochmal krasser geworden, sagt man damit ja nicht, das es nicht irgendwie schon immer so war. und selbst wenns schon immer so krass gewesen wäre, ist es ja nicht falsch sich mal damit zu beschäftigen – gerade wenn da 2009 noch mehr auf uns zukommt und/oder es viele leute gibt, die das nicht so sehen, oder? deshalb verstehe ich die kritik.
    btw: antworte odhc mal auf meine nachfrage auf meinem blog, auch da verstehe ich echt nicht, worauf du hinaus willst.

  16. 16 IdrawESCAPEplans 16. Februar 2009 um 0:20 Uhr

    soso, die jüdische und die arabische kultur. man kennt das ja

  17. 17 Oompa Loompa 16. Februar 2009 um 0:40 Uhr

    nationalismus gründet sich halt unter anderem auf einer kultur, die sich von einer anderen zu unterscheiden weiß.
    dass das im fall israels nunmal die jüdische kultur ist, die da auf ihre unterschiede zur arabischen kultur verwiesen wird und so dem rassismus gegen arabische israelis nachschub verliehen wird, ist nunmal bei solchen äußerungen(»Juden und Araber können niemals zusammenleben«) von liebermann offensichtlich. anscheind sieht der die kultur ja als sowas wie den bodymind an, von dem es kein entrinnen gibt.

  18. 18 MPunkt 16. Februar 2009 um 10:22 Uhr

    @ idep:

    soso, die jüdische und die arabische kultur. man kennt das ja

    Du willst also wie schon Hitler die Juden als kulturloses Volk darstellen? [/AD-Mode>]

  19. 19 besserscheitern 17. Februar 2009 um 15:04 Uhr

    Tanzen kann, wenn man es im Sinne von Hannah Arendt als öffentliches Zusammenhandeln versteht, durchaus politisch sein, dem steht dann aber immer noch die Gewalt gegenüber, die die Menschen auseinandertreiben kann, womit der Erscheinungsraum ihrer Macht (verstanden als ein aktualisiertes Potential zum gemeinsamen Handeln) zerfällt.

    Oder anders gesprochen: dieser politische Akt kann eben nur Anlass sein über die gesellschaftlichen Verhältnisse zu reflektieren, konkret wird damit noch keine „Änderung der Produktionsbedingungen“ erreicht, nur ob das wirklich im Ernst jemand glaubt wurde ja bereits zur Debatte gestellt.

  20. 20 rep 18. Februar 2009 um 1:01 Uhr

    im sinne des öffentlichen zusammenhandelns kann tanzen höchstens zur konstituierung einer gruppe beitragen. es vermittelt aber weder einen inhalt, noch stellt einen realpolitischen akt dar.
    in diesem sinne lässt sich also zwischen „raven“ und „deutschland“ keine reelle verbindung herstellen(ob im positiven oder negativen).

    was ich meine ist: auf antifa-parties wird meist ein halbgarer, überflüssiger bedeutungszusammenhang als label abgefeiert, wobei sich außer schlechter musik und billigbier-besäufnis eigentlich nichts ereignet.

  21. 21 besserscheitern 18. Februar 2009 um 19:33 Uhr

    antifa-parties sind aber auch nicht öffentlich. gegen deutschland kann nur in dem sinne geravet werden, dass ein platz zu einem öffentlichen gemacht wird, indem dort nicht mehr nur der instrumentellen rationalität folgend dinge erledigt werden, sondern ein zeitweiliger ausstieg, eine sich selbst genügsame tätigkeit praktiziert werden. dieser politische akt sit extrem flüchtig, denn nach der zerstreung der menschen bleibt nichts.

    in dem handeln steckt aber eine aussage, die als politische botschaft gelesen werden kann, nicht muss.

    das politische potential erscheint damit sehr, sehr schmal, aber es gibt meiner meinung nach im sinne arendts eines.

  22. 22 wat ick erzähl!? 20. Februar 2009 um 16:06 Uhr

    hast nix verpasst mit der veranstaltung.
    der erste referent hat ein kartoffel-gedicht vorgetragen und der zweite wirres zeug gestammelt, dass er maschieren toll findet.

  23. 23 Das geprüfte Argument 20. Februar 2009 um 16:41 Uhr

    Eine Genossin hat spielt mir demnächst einen Bericht zu, den ich veröffentliche. Seid gespannt!

  24. 24 madhunter 20. April 2009 um 18:06 Uhr

    Keine Nation in meinem Namen – Vom Kampf gegen die nationale Repräsentation
    23. April 2009, 19:30 Uhr, Basso, Köpenicker Straße 187/188 (U-Bhf. Schlesisches Tor)

    Bereits seit dem letzten Jahr etablierte sich die Rede von der Kulturnation in Bundestagsdebatten, staatlichen Ausstellungseröffnungen und Feuilletons wieder als Schlagwort zur nationalen Identitätsbildung Deutschlands. Die scheinbare Ersetzung von politischer Gewalt durch kulturelle Repräsentation hatte in Deutschland stets Konjunktur. Derzeit schlägt aus Massen- wie aus Hochkultur die gesamte und neu bestückte Palette deutscher kultureller Alleinstellungsmerkmale, – sei es das Lernen aus Verfehlungen, das Exerzieren von Sekundärtugenden oder das Rückbesinnen auf Genien. In der Gegenwartskunst wurden und werden alle noch so abweisenden Bezüge auf Deutschland als produktive Kritik eingemeindet, in der öffentlichen Museumslandschaft geriert sich die deutsche Kultur als Exportschlager nach Außen, als Rückkehr des Preußentums und verspäteter Kolonialherrlichkeit nach Innen und in Funk und Fern werden deutsche Winter- und Sommermärchen ergänzt von schaurigen Wiederaufführungen wie die der Varusschlacht im Sommer 2009. Da das nationale Motto des Jubiläumsjahres die Feier der deutschen Geschichte als Weg zur Freiheit ist, soll die Veranstaltung deren nationale Gesinnung und politische Wege gegen sie diskutieren.

    Wie kollektiviert man sich in der Kultur gegen das nationale Kollektiv?

    Eingeladen sind die zwei Berliner Gruppen Alexandertechnik und Max Klebb. Alexandertechnik setzt sich aus KünstlerInnen, KritikerInnen und anderen KulturproduzentInnen zusammen, die sich Aktionen, Veranstaltungen und Produktionen gegen das im Schloß geplante Humboldt-Forum starten möchten. Stellvertretend für die Gruppe werden Alice Creischer und Susanne Leeb referieren.
    Max Klebb besteht zur antinationalen Kollektivierung im Produktionszweig Kunst. Die Gruppe hatte im Mai ein erstes Treffen aus 150 ProduzentInnen und KritikerInnen einberufen, in dem neben einer gegenseitigen Vorstellung der künstlerischen Arbeiten eine erste Diskussion um die zeitgenössische Bestimmung des Nationalismus und die Möglichkeit gemeinsamer Organisierung gegen die nationale Kulturalisierung geführt wurde, die nun fortgesetzt werden soll.

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