Im Zusammenhang mit dem Naziaufmarsch am vergangenen Sonnabend in Gera, gibt inzwischen schon 3 Indymedia-Artikel, die irgendwie allesamt das gleiche aussagen. Man kommt sich fast vor wie nach dem 1.Mai, wenn 20 Beiträge dazu erscheinen, wie toll, militant, langweilig oder friedlich doch die jährlichen Feierlichkeiten zum Kampftag der Arbeiterklasse waren. Doch hier, geht es um die Geschehnisse in Gera, vor allem während der Antifademo, die nicht halb so groß und auch nicht annähernd so interessant wie die Veranstaltungen zum 1.5. sind.
Abgesehen von der Größe sollte allerdings viel mehr hinterfragt werden, was dort gemacht wurde, welches Ziel das ganze hatte und welche politischen Folgen sich daraus ergeben.

Die Antifa I
Betrachten wir das Antifa-Konzept mal aus der Warte, dass es dem Selbstschutz dient. In einer Provinzstadt wie Gera liegt diese Betrachtung nahe. Antifa hat hier also durchaus seine Berechtigung um die Unversehrtheit der Leute zu schützen und um Nazis zurück zu schlagen, also Abwehrkampf zu leisten. Es stellt sich allerdings die Frage, weshalb dann mit bürgerlichen Gruppen, die ja letztlich mit ihren Vorstellungen wie die Gesellschaft ökonomisch aufgebaut zu sein hat, den Grundstein für faschistische Ideologie bieten, zusammengearbeitet wird und eine gemeinsame Demonstration veranstaltet wird?! Nun mag man meinen, dass es ja im Wesentlichen darum geht, die Demo der Nazis zu verhindern, egal wie und egal mit wem. Die bürgerlichen Gruppen sind also nur Mittel zum Zweck. Es stellt sich doch hier allerdings die Frage, weshalb man nicht auf die eigenen Reihen vertraut, denn militante Aktionen werden die Parteien und BürgerInis sowieso nicht machen oder gut heißen, und stattdessen sogar noch mit Leuten zusammengearbeitet wird, die immer wieder einen starken Staat, also den Ausbau des Polizei- und Justizapparates fordern und die immer wieder verleumderisch auffallen, wenn es um militante Aktionen geht.
Die Antifa II
Eine weitere Herangehensweise an das Feld Antifa ist im Konzept des revolutionären Antifaschismus zu erkennen, der zum einen über Subkultur Leute durch Antifa anziehen und sie über diese weiter radikalisieren will.
Zum anderen versucht dieses Konzept des Antifaschismus über Bündnisse die eigenen Positionen weiter in die Öffentlichkeit tragen zu können.
Wieder lässt sich die Kritik anbringen, dass für die Steigerung der Wahrnehmung mit Gruppen und Personen zusammengearbeitet werden soll, die gänzlichst andere Gesellschaftsauffassungen vertreten und die sich im Falle des Falles, als Beispiel wäre hier die Autonome Antifa M und die Reaktion von DGB etc. auf den §129a-Prozess zu nennen, von ihren radikalen Bündnispartner verabschieden und diese mit unter verleumden.
Auch der Punkt, dass über Antifa die Leute radikalisiert werden sollen, zeigt sich im Zuge des fortschreitenden Niedergangs der Antifa-Bewegung in Folge des staatlichen Antifasommers 2000 in der Praxis zunehmend als Trugschluss.
Letztendlich ist Antifa-Arbeit in Reinform nur noch das Retten der parlamentarischen Demokratie vor der nächst-unerträglicheren Stufe der kapitalistischen Totalität, dem Faschismus.
In Anbetracht der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sollte die Linke sich doch vielmehr in den Aufbau um eine Bewegung gegen eine Überwachungsstaat stürzen oder um die theoretische Arbeiterbildung bemühen, als viel weniger eine neue Antifa-Debatte vom Zaun zu brechen, mit der letztlich nur gefragt wird, was gibt es an unserer Bewegung zu reformieren. Wenn eine Beschäftigung mit Antifaschismus überhaupt noch lohnt, gilt es doch vielmehr zu fragen, was sich daran noch lohnt, statt darüber zu debattieren wie man Antifaschismus als Politikansatz wieder lohnenswerter macht.
Um Kampagnen gegen das NPD-Wählen oder der gleichen zu gestalten und durch zu führen, die in Form von Bündnissen in der Regel nicht über moralische Tabus hinauskommen, kann ich schließlich auch in die SPD/Linke/Grüne/FDP eintreten – das allerdings sieht dann nicht mehr radikal aus, aber wäre zumindest sich selbst gegenüber ein ehrlicher Umgang mit der eigenen Politik.
Letztendlich ist Antifa-Arbeit in Reinform nur noch das Retten der parlamentarischen Demokratie vor der nächst-unerträglicheren Stufe der kapitalistischen Totalität, dem Faschismus.
Das hast du schön geschrieben!
…schreckt die normalen Bürger oft nur ab, und viele wollen damit nichts zu tun haben.Das liegt daran das so einige Idioten leider immer wieder negativ auffallen.Ich weiß das es manche nicht gerne hören, aber es ist einfach Tatsache.
Wenn du anmerkst, dass die Antifa die Bürger abschreckst und dies beklagst, dann hast du die obige Kritik wohl nicht ganz verstanden. Kritisiert wird ja hier gerade, dass die Antifa zwecks des Kampf gegen Nazis Bündnisse mit bürgerlichen Gruppen eingeht.
Die Frage wäre da natürlich in welcher Form die Antifa die Bürger abschreckt. Sicherlich nicht nur durch ihr Auftreten (Black Block), sondern auch weil sie Gewalt für legitim halten und so mit dem staatlichen Gewaltmonopol brechen (wollen)*, aber auch wegen ihren „radikaleren“ Inhalten, die einfach nicht zu bürgerlichen Gruppen passen. Da sollte man dann aber eben schon eher das inhaltliche kritisieren und da dann eben auch die Antifa auf ihren Fehler, die Demokratie vor dem Faschismus zu verteidigen, aufmerksam machen. Ihre „radikaleren“ Inhalte ergeben sich allerdings auch nur aus der historischen „Erfahrung“, dass Kapitalismus zu Faschismus führe und deshalb der Kapitalismus auch abgelehnt wird, nicht aber weil er so schon ein destruktives Potential hat. Der Widerspruch ist aber auch dann noch mal, dass der Kapitalismus nur hintergründig abgelehnt wird. Er ist zwar die Basis für den Faschismus, der Faschismus allerdings die primäre Gefahr (dem ist in der gegenwärtigen erfolgreichen Demokratie nicht ein mal so) und verteidigt ihn (den demokratischen Kapitalismus) doch wieder gegen den Faschismus. Egal welches Erklärungsmuster man hat, der Kapitalismus will nie angreifbar gemacht werden.
* Das allerdings oft nicht, weil einen das staatliche Gewaltmonopol so schon nervt, sondern weil Gewalt gegen Nazis notwendig erscheint.